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SEGE – Stadtentwicklung ganzheitlich evaluieren

Secondary Cities stellen einen besonderen Fall in der interdisziplinären Stadtforschung dar. Zwar leben in großen Metropolen heute weit mehr Menschen als noch vor zwanzig Jahren, ein weitaus größerer Anteil der Weltbevölkerung lebt jedoch in den sogenannten Städten zweiter Ordnung, den Secondary Cities. Umstritten ist dabei bereits, ab wann von einer Secondary City zu sprechen ist. So wird häufig noch von ländlichen Regionen bei einer Einwohnerzahl von bis zu einer halben Millionen innerhalb einer Agglomeration gesprochen. Hier leben ca. 75% der Weltbevölkerung. Cities hätten so zumindest eine Bevölkerungsgröße von 500.000 vorzuweisen. Qualitative Ansätze verstehen jedoch Secondary Cities immer auch in ihrem funktionalen nationalen Kontext sowie häufig auch basierend auf ihren Verflechtungen in internationale Märkte. Eine Stadt mit niedriger Bevölkerungszahl kann also durchaus die Funktion einer Secondary Citiy erfüllen, auch wenn sie nur 200.000 Einwohner zählt. Eine klare Definition gibt es bisher allerdings nicht, welche Kriterien hierzu erfüllt sein müssen.

In der wissenschafltichen Auseinandersetzung dominiert weiterhin zumeist die Beschäftigung mit den großen Städten, kleinere Agglomerationen werden selten beforscht. Die Gründe für diese oft einseitige Fokussierung sind zusammengefasst die größere wirtschaftliche und politische Bedeutung von Hauptstädten, Global bzw. World Cities und Megastädten. Ein weiteres Argument ist aber auch die soziale, planerische und kulturelle Entwicklung, die als relevanter weil zukunftsweisender und dynamischer erachtet wird. Aus dieser einseitigen Fokussierung ergibt sich auch, dass viele der erforschten städtischen Phänomene nicht in Secondary Cities beobachtet und daher nur zu einem gewissen Grad direkt übertragbar auf den Zustand und die Entwicklung kleinerer Städte sind.

Nichts desto trotz wird die Relevanz einer besseren Kenntnis der Besonderheiten von Secondary Cities in aktuelleren wissenschaftlichen Beiträgen über die Grenzen von Architektur und Planung hinaus zunehmend hervorgehoben. So stellt die Kenntnis ihrer Spezifika auch einen integralen Bestandteil für die Entwicklung ganzheitlicher Stadtentwicklungsstrategien dar, zumal eben in den Secondary Cities ein großer Teil der Weltbevölkerung lebt und potentiell auch ein nicht zu unterschätzender Teil der Wirtschaftskraft eines Staates erwirtschaftet wird oder entwickelt werden kann. Auch das Innovationspotential in Secondary Cities sollte nicht unterschätzt werden.

Ein besseres Verständnis von Dynamiken und Entwicklungen in Secondary Cities in ihrem regionalen, nationalen und internationalen Kontext ist die zentrale Aufgabenstellung des SEGE Forschungsprojektes. Außerdem beschäftigen wir uns mit einer Weiterentwicklung von vorhandenen und bisher unvollständigen Definitionen von Secondary Cities sowie deren Implikationen für planerische, politische und soziale Fragestellungen. Wir arbeiten zudem mit den Evaluierungen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit der KFW Entwicklungsbank in Secondary Cities, um besser zu verstehen, wie in der Entwicklungszusammenarbeit bisher mit dem Städtetyp Secondary City umgegangen wurde.

Anhand von qualitativen Fallstudien in Secondary Cities in Ghana (Techiman und Sunyani) und in Peru (Arequipa und Trujillo) beschreiben wir Entwicklungsprozesse ausgewählter Fälle in Secondary Cities ganz verschiedener Art gemäß ihrer Bevölkerungszahlen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Perspektiven. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Satellitenstudien in weiteren Städten in zusätzlichen Staaten des globalen Südens.

Kernthemen des SEGE Forschungsprojekts sind:

• Dezentralisierung

• Governance

• Korruption

• Zivilgesellschaft und soziale Teilhabe

• Planung

• Infrastruktur

• Wirtschaft und internationale Entwicklungszusammenarbeit

Beteiligte: Prof. Dr. Nina Gribat, Dr. Christian Rosen, Valentin Braun

Projektpartner: Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Projektdauer: 2017-2018

Kooperationspartner: Kwame Nkrumah University Of Science and Technology (KNUST), Kumasi, Ghana; Universidad San Martín de Porres (USMP), Arequipa, Peru

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